Über den Klippenweg von Alexisbad nach Mägdesprung

Ein herrlicher Herbstsonntag. Da sollte meine Wanderung in einem wunderschönen Herbstwald verlaufen. Also – das Selketal. Den Namen verdankt das Selketal dem Fluss Selke, welcher sich auf rund 64 km idyllisch durch das Land schlengelt. Meine Wanderbegleitung bestand wie immer aus meinem Mann und meinem Hund.

Die Wahl des Startpunktes meiner Wanderung fiel auf Mägdesprung – genauer auf den Bahnhof. Von hier sollte uns die Selketalbahn nach Alexisbad schaukeln.  Der denkmalgeschützte Bahnhof Mägdesprung wird nach jahrelangem Leerstand zum Glück wieder von mutigen Menschen betrieben. Die Gebrüder Wolter setzen das Gebäude instand und errichten dort eine Schauwerkstatt zur Möbelrestauration. Gern kann der Wanderer hier auch eine Wurst vom Grill und Getränke erhalten. Am Bahnhof Mägdesprung konnte ich zugleich auch die „Sage zum Mägdesprung“ nachlesen: „Die Tochter eines Hühnen sah auf der anderen Seite des Selketales einen jungen Mann und verliebte sich in diesen. Aber wie sollte sie zu ihm kommen – sie wagte den Sprung über das Tal und er gelang. Sie fiel in die Arme des Geliebten. Ein Fußabdruck des gewaltigen Sprungs ist der Aussichtspunkt Mägdetrappe. “ So ist die Sage zumindest am Bahnhof beschrieben. In anderen Quellen ist sie etwas anders überliefert….

Die von einer Dampflok gezogenen Selkebahn fuhr uns dann gemütlich nach Alexisbad. Man kann bei der Geschwindigkeit die Gedanken fließen lassen und die herbstliche vorbeiziehende Landschaft bringt einem eine innere Ruhe. Und dann lehnt der Hund sich noch an deine Beine und lässt sich genüsslich kraulen – Entspannung pur. Zu unserem Erstaunen und auch zur Freude für die Region war der Zug sehr gut gefüllt. Eigentlich sollte die Reise mit dem Triebwagen noch bis nach Harzgerode weiter gehen, aber alle Fahrgäste hatten die gleiche Idee, weswegen der Start der Wanderung kurzerhand nach Alexisbad verlegt wurde.

Vom Bahnhof ging es durch das Lange Tal mit einem kleinen Anstieg ca. 1,6 km zur ersten Raststation – der Verlobungsurne. Diese soll an einen Aufenthalt einer Gruppe von Adligen im Jahr 1845 erinnern, wo auch ein Prinz von Hohenlohe-Oeringen dazu gehörte. Die Urne wurde in dessen Gießerei gegossen. Warum nun aber Verlobungsurne? Man spekuliert bis heute über den Anlass ihrer Aufstellung…. Auf jeden Fall wurden wir mit einem herrlichen Blick auf das untenliegende Alexisbad und den gegenüberliegenden, sich sehr veränderten Wald belohnt. Außerdem gibt es an dieser Aussicht auch den Stempel Nr. 177 der Harzer Wandernadel.
Einige hundert Meter weiter ist auf dem Klippenweg das Birkenhäuschen zu finden. Im Jahre 1905 vom Harzklub-Zweigverein Köthen aus Birkenstämmchen errichtet, ist es weiterer schöner Rastplatz.

Überhaupt begleiten uns auf dem Klippenweg viele schöne Aussichten, die auch immer wieder mit Sitzbänken aufwarten und somit zum Verweilen einladen. Der sich langsam färbende Mischwald lässt die Stimmung vom „Indian Summer“ aufkommen, die Erika fängt an zu blühen und die Sonne bricht immer wieder durch die Bäume durch. Als dann auch der typische nussige Geruch des unten liegenden Laubs in unsere Nasen steigt, weiß ich, dass die Wahl unserer Wanderung richtig war.

Weitere Aussichtspunkte wie das Friedensdenkmal und die Freundschaftsklippe lassen den Blick über das unten liegende Tal und auf Alexisbad schweifen. Die Aussichtsbank Kapellenblick lässt schon einmal eine kleine Vorschau auf unser nächstes Ziel zu – der Köthener Hütte. Auf dem Weg dorthin gibt es auch die Möglichkeit, nach Harzgerode über z.B. den Naturlehrpfad zu wandern. Aber unser Weg musste ja wieder nach Mägdesprung führen.

Nach ca. 4 km kamen wir dann an der Köthener Hütte an. Erfreulich war auch, dass doch einige Wanderer unseren Weg kreuzten. Aktuell ist meiner Meinung der Harz durch die Corona-Krise ziemlich überlaufen und man findet selten noch Wege, wo man die ruhige Natur genießen kann. Aber auch der Harz lebt vom Tourismus und einige Regionen, wie das Selketal, waren bisher weniger besucht als andere Hotspots.
Zurück zur Köthener Hütte, welche ebenfalls vom Harzklub-Zweigverein Köthen im Jahr 1897 errichtet wurde. Aufgrund der kleinen Glocke im Glockenturm wird sie auch als Kapelle bezeichnet. Hier erwartet alle Stempelsammler die Nr. 195 der Harzer Wandernadel.

Nun ging es auf zur letzten Etappe mit ca. 1,6 km nach Mägdesprung zurück. Auf diesem Weg kamen wir an den letzten beiden Sehenswürdigkeiten vorbei – das Gedenk-Kreuz und die Mägdetrappe. Das gusseiserne Kreuz wurde von 1837 von Prinzessin Wilhelmine Luise und deren Gatten aufgestellt. Heute sieht man ein großes Einschussloch und eine Teilung des Kreuzes. Dieses stürzte durch mehrere Einschüsse von den Alliierten 1945 verursacht in das Tal und wurde erst durch das Hochwasser 1994 wieder fündig. Nun steht es restauriert wieder auf seinem angedachten Platz.

Unten in Mägdesprung angekommen kamen wir auf dem Weg zum Bahnhof noch an dem für den Ort bekannten Obelisken vorbei, welcher auf die Eisenhütte hinweist. Knapp 200 Meter weiter kann sich der Besucher im Carlswerk über die ehemals in Mägdesprung ansässigen Industrie informieren. Dies wird aber sicher einmal ein nächster Beitrag, wenn wir vom 1. bis zum 4. Hammer im Selketal wandern. Also seid gespannt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.